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Kein Gürtel, aber Geschichte – Mein Weg durch den Ring

Von Axel Schulz

Ich bin Axel Schulz. Geboren am 9. November 1968 in Bad Saarow. Aufgewachsen in der DDR – nicht im Rampenlicht, sondern im Alltag eines ganz normalen Jungen, der irgendwann gelernt hat, dass man sich im Leben alles hart erarbeiten muss. Und genau das habe ich getan.

Mit elf Jahren stand ich zum ersten Mal im Boxring. Damals noch beim BSG Stahl Fürstenwalde. Das Training war hart, aber ich liebte es vom ersten Moment an. Ich habe früh gelernt, was Disziplin bedeutet. Ich war nie der Schnellste, nie der mit dem größten Talent – aber ich war immer der, der länger durchhielt. Der nie aufgegeben hat.

In der DDR war Boxen groß – und ich habe es dort ganz nach oben geschafft: Fünfmal DDR-Meister in der Jugend, Silber bei der Europameisterschaft 1989, Bronze bei der Amateur-Weltmeisterschaft – das war der Lohn für jahrelangen Kampf, auch gegen mich selbst. Dann kam die Wende. Und für mich der Schritt ins Profilager. Ich wollte zeigen, dass auch ein Junge aus dem Osten ganz oben mitboxen kann.


Mein Profi-Debüt: Der Start in eine neue Welt

1990 war mein Jahr. Ich stand zum ersten Mal als Profi im Ring – in Düsseldorf, gegen George Ajio. Ich war nervös, klar, aber gleichzeitig fokussierter als je zuvor. Ich gewann klar nach Punkten. Das war der erste Schritt. Bald darauf wurde ich zum „Nachwuchsboxer des Jahres“ gewählt – ein gutes Gefühl, aber ich wusste: Das war erst der Anfang.

1992 wurde ich Deutscher Schwergewichtsmeister – gegen Bernd Friedrich. Kein leichter Gegner, aber ich war bereit. Dieser Titel hat mir Mut gemacht. Ich wollte mehr. Ich wollte die Weltspitze.


Der Weg an die Weltspitze – Kämpfe, die Geschichte schrieben

1994 besiegte ich den früheren WBA-Weltmeister James “Bonecrusher” Smith. Ein Mann mit unglaublicher Power und riesiger Erfahrung. Ich boxte ihn aus, clever, technisch. Danach stand ich auf Platz 12 der IBF-Weltrangliste. Plötzlich war ich in der Nähe eines WM-Kampfes.

Und dann kam er – der Kampf meines Lebens.


George Foreman – Las Vegas, 22. April 1995

Ich weiß noch genau, wie ich zum Ring ging. MGM Grand, Las Vegas. Alles leuchtete, überall Kameras. Gegenüber von mir: George Foreman, 46 Jahre alt, aber immer noch eine lebende Legende. Er hatte Muhammad Ali geschlagen, war Olympiasieger, Ex-Weltmeister, eine Dampfwalze mit Handschuhen.

Ich war 26, Europäer, aus dem Osten – für viele nur ein mutiger Herausforderer. Aber ich glaubte an mich. Und ich kämpfte. 12 Runden lang. Ich wich seinen schweren Händen aus, konterte, punktete. Die Experten von HBO sahen mich klar vorn: 117:111. Und trotzdem verlor ich – Split Decision. Zwei Punktrichter gaben Foreman den Kampf. Weltweit hagelte es Kritik. Ich war enttäuscht, klar – aber gleichzeitig stolz. Ich hatte dem großen Foreman die Stirn geboten. Und der weigerte sich danach, nochmal gegen mich zu kämpfen.


Zweite WM-Chance – Stuttgart, 9. Dezember 1995

Der Titel war wieder vakant. Ich bekam eine neue Chance – gegen den Südafrikaner Francois Botha. In Stuttgart, mit Millionen Fernsehzuschauern. Ich kämpfte stark, aber verlor erneut nach Punkten. Wieder war es umstritten. Doch diesmal kam die Wahrheit ans Licht: Botha war gedopt. Der Kampf wurde später annulliert – „No Contest“. Und ich? Stand wieder mit leeren Händen da. Aber mit noch mehr Zuspruch. Die Leute wussten: Ich kämpfe fair. Ich kämpfe sauber. Ich kämpfe für den Sport.


Dritte WM-Chance – Dortmund, 22. Juni 1996

Ich wollte es noch einmal wissen – gegen den Amerikaner Michael Moorer, Ex-Weltmeister und Links-Ausleger mit Wucht. Wieder über 12 Runden, wieder alles gegeben. Und wieder: Split Decision – ganz knapp verloren. Drei WM-Kämpfe, dreimal nur hauchdünn an der Krone vorbei. Das war hart. Aber ich hatte mir meinen Namen gemacht – als fairer Sportsmann, als Publikumsliebling, als Kämpfer mit Herz.


Klitschko und das Ende der Karriere – Köln, 25. September 1999

1999 stand ich noch einmal im Rampenlicht – gegen Wladimir Klitschko, um die Europameisterschaft. Ich war nicht mehr der Jüngste, und Wladimir war jung, hungrig und brachial. Ich hielt lange durch, aber in Runde 8 war Schluss. Technischer K.o. Ich wusste: Das war’s. Ich habe meine Handschuhe an den Nagel gehängt – mit dem guten Gefühl, alles gegeben zu haben.


Ein letztes Mal – Comeback 2006

Nach sieben Jahren Pause kribbelte es nochmal. Ich wagte ein Comeback – gegen den Amerikaner Brian Minto. Doch der Sport hatte sich weiterentwickelt, und ich hatte in Runde 6 keine Chance mehr. Ich ging K.o. – und sagte endgültig auf wiedersehen zum Profiboxen, zumindest nicht mehr selbst im Ring. Heute findest du mich als Kommentator, Moderator, Experte usw. neben dem Ring.